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    <title>Blog von leitstelle.live</title>
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    <description>Fachbeiträge zu Einsatzführung, Sanitätsdienst und Alarmierung.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Fri, 30 Oct 2026 12:32:49 GMT</lastBuildDate>
    <item>
      <title>Katastrophenschutz üben: Was nur im Ernstfall benutzt wird, funktioniert dort nicht</title>
      <link>https://leitstelle.live/blog/katastrophenschutz-ueben-im-alltag</link>
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      <pubDate>Fri, 30 Oct 2026 12:32:49 GMT</pubDate>
      <dc:creator>Jan Wulff</dc:creator>
      <category>Praxis</category>
      <description>Selten genutzte Verfahren versagen genau dann, wenn sie gebraucht werden. Warum der normale Sanitätsdienst das beste Trainingsfeld für die große Lage ist.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer Katastrophenschutz üben will, denkt zuerst an die große Vollübung mit Verletztendarstellern, Pressetermin und Auswertung. Solche Übungen sind wertvoll. Sie finden aber selten statt, und was nur selten gebraucht wird, sitzt im Ernstfall nicht. Das gilt für Vordrucke und Meldewege ebenso wie für Software.</p>
<p>Das eigentliche Trainingsfeld liegt deshalb woanders: im Stadtfest, im Radrennen, im Sanitätswachdienst am Wochenende.</p>
<h2 id="was-selten-angewendet-wird-geht-verloren">Was selten angewendet wird, geht verloren</h2>
<p>Die Forschung zum Fertigkeitsverlust ist hier ziemlich eindeutig. Die oft zitierte Übersichtsarbeit von Winfred Arthur und anderen aus dem Jahr 1998 fasst zusammen, was viele Studien gemessen haben: Der Verlust wächst mit der Zeit, in der eine Fähigkeit nicht angewendet wird. Nach mehr als einem Jahr ist er erheblich. Kognitive Aufgaben sind stärker betroffen als körperliche, und das Gelernte hält besser, wenn Training und spätere Anwendung einander ähneln.</p>
<p>Führungsarbeit ist überwiegend kognitive Arbeit. Lage aufnehmen, Meldungen einordnen, Kräfte zuweisen und alles dokumentieren, während das Telefon läuft: Das lernt niemand auf Vorrat. Es muss regelmäßig gebraucht werden, unter Bedingungen, die dem Einsatz möglichst nahekommen.</p>
<h2 id="proben-machen-fehler-sichtbar">Proben machen Fehler sichtbar</h2>
<p>Ein bekanntes Beispiel aus dem Bevölkerungsschutz ist der erste bundesweite Warntag im September 2020. Die Meldung über das Modulare Warnsystem kam verspätet an. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nannte den Grund damals offen: eine „nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen“. Abgesprochen war eine Auslösung allein durch den Bund.</p>
<p>Ein solches Problem findet man nur, wenn man das Verfahren wirklich auslöst. Inzwischen ist der Warntag fester Bestandteil des Jahres und lässt sich vergleichen. In der BBK-Umfrage zum Warntag 2025 gaben 97 Prozent an, mindestens eine Probewarnung erhalten zu haben, über Warn-Apps 67 Prozent und über Sirenen 65 Prozent, gegenüber je 59 Prozent im Vorjahr. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, und ein Nachweis, dass allein die Wiederholung den Unterschied macht, ist sie auch nicht. Sie zeigt aber den Wert regelmäßiger Proben: Man sieht überhaupt erst, wo man steht.</p>
<p>Die Enquete-Kommission des Landtags Rheinland-Pfalz zur Flutkatastrophe 2021 empfiehlt regelmäßige Warntage über alle staatlichen Ebenen und schreibt, Fehler bei Übungen sollten „als hilfreich und weiterführend kommuniziert und betrachtet werden“. Das ist auch eine gute Haltung für die Auswertung im eigenen Ortsverband.</p>
<h2 id="der-normale-dienst-als-trainingsfeld">Der normale Dienst als Trainingsfeld</h2>
<p>Ein Sanitätsdienst auf einer Veranstaltung hat alles, was Führung im Einsatz ausmacht: eine Lage, die sich ändert, begrenzte Kräfte, Meldungen, die eingeordnet werden müssen, und eine Dokumentation, die am Ende stimmen muss. Dazu kommt ein großer Vorteil gegenüber der Großlage: Es bleibt Zeit, etwas auszuprobieren und danach darüber zu sprechen.</p>
<p><img src="https://leitstelle.live/blog/media/vom-uebungsabend-ueber-den-sanitaetsdienst-bis-zur-grosslage-e4af68ee-1024.webp" srcset="https://leitstelle.live/blog/media/vom-uebungsabend-ueber-den-sanitaetsdienst-bis-zur-grosslage-e4af68ee-640.webp 640w, https://leitstelle.live/blog/media/vom-uebungsabend-ueber-den-sanitaetsdienst-bis-zur-grosslage-e4af68ee-1024.webp 1024w, https://leitstelle.live/blog/media/vom-uebungsabend-ueber-den-sanitaetsdienst-bis-zur-grosslage-e4af68ee-1600.webp 1600w" sizes="(max-width: 760px) 100vw, 760px" width="1024" height="889" alt="Vom Übungsabend über den Sanitätsdienst bis zur Großlage: Verfahren, Rollen und Werkzeuge bleiben gleich, nur die Größe der Lage ändert sich" loading="lazy" decoding="async"></p>
<p>Daraus lassen sich vier praktische Folgen ableiten:</p>
<ol>
<li><strong>Sonderverfahren streichen, wo es geht.</strong> Jeder Ablauf, der nur für den großen Fall existiert, ist ein Kandidat für den Vergessensverlust. Besser ist ein Verfahren, das im Kleinen genauso funktioniert und in der großen Lage nur breiter aufgestellt wird.</li>
<li><strong>Großlagen-Elemente im kleinen Dienst mitlaufen lassen.</strong> Ein Einsatzabschnitt auf dem Stadtfest ist organisatorisch vielleicht nicht zwingend. Als Übung für den Tag, an dem er nötig wird, kostet er wenig.</li>
<li><strong>Rollen tauschen.</strong> Wenn immer dieselbe Person die Einsatzleitung übernimmt, übt auch nur diese Person. Ein ruhiger Dienst ist der richtige Moment, jemand anderen führen zu lassen und die erfahrene Kraft daneben zu setzen.</li>
<li><strong>Die Rückfallebene mitüben.</strong> Auch Papier verlernt man. Eine halbe Stunde Dienst nur mit Vordrucken und Funk zeigt schnell, ob alle wissen, wo die Unterlagen liegen und wie sie ausgefüllt werden.</li>
</ol>
<p>Eine Grenze hat dieser Ansatz. Ein ruhiger Wachdienst zeigt nicht, wie sich eine Lage mit vielen Verletzten anfühlt, und ersetzt auch keine Übung mit anderen Organisationen. Er sorgt dafür, dass die Grundlagen dann nicht mehr das Problem sind.</p>
<h2 id="was-das-fuer-die-auswahl-von-software-bedeutet">Was das für die Auswahl von Software bedeutet</h2>
<p>Wer eine Software nur für den Katastrophenfall einführt, baut genau das Problem ein, um das es hier geht. Die Frage an jeden Anbieter lautet deshalb: Lässt sich das System auch beim kleinen Dienst sinnvoll nutzen, ohne dass der Aufwand den Nutzen auffrisst?</p>
<p>Bei <a href="https://leitstelle.live/seg-katastrophenschutz">leitstelle.live</a> haben wir das so gelöst, dass kleiner Wachdienst und große Lage in derselben Leitstelle laufen. Die Bedienung bleibt gleich, der Einsatz wird nur im Umfang größer. Wiederkehrende Dienste lassen sich als Einsatzvorlage anlegen, ab dem Paket Professional kommen Einsatzabschnitte und der Gruppenalarm hinzu, der sich als Übung kennzeichnen lässt. In der Beta stehen außerdem zwei simulierte Szenarien bereit, ein Radrennen und eine größere Lage auf einem Stadtfest, in denen simulierte Kräfte auf die Disposition reagieren.</p>
<p><img src="https://leitstelle.live/blog/media/statusuebersicht-eines-sanitaetswachdienstes-alle-einheiten-aa08f977-1024.webp" srcset="https://leitstelle.live/blog/media/statusuebersicht-eines-sanitaetswachdienstes-alle-einheiten-aa08f977-640.webp 640w, https://leitstelle.live/blog/media/statusuebersicht-eines-sanitaetswachdienstes-alle-einheiten-aa08f977-1024.webp 1024w, https://leitstelle.live/blog/media/statusuebersicht-eines-sanitaetswachdienstes-alle-einheiten-aa08f977-1600.webp 1600w" sizes="(max-width: 760px) 100vw, 760px" width="1024" height="344" alt="Statusübersicht eines Sanitätswachdienstes: Alle Einheiten stehen in Spalten nach FMS-Status von Notfall bis Quittung" loading="lazy" decoding="async"></p>
<p>Der Test ist am Ende aber schlicht: Öffnen Sie im nächsten ruhigen Dienst die Unterlagen für den großen Fall, egal ob Software oder Ordner, und lassen Sie jemanden damit arbeiten, der sie seit einem halben Jahr nicht in der Hand hatte. Was dann schiefgeht, ist Ihre Liste für den nächsten Übungsabend.</p>
<h2 id="quellen">Quellen</h2>
<ul>
<li>Arthur, W.; Bennett, W.; Stanush, P. L.; McNelly, T. L. (1998): Factors that influence skill decay and retention. Human Performance 11(1), 57–101.</li>
<li><a href="https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2020/09/1-bundesweiter-warntag.html" rel="noopener noreferrer">BBK: 1. bundesweiter Warntag, Kurzmeldung vom 10.09.2020</a></li>
<li><a href="https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Mediathek/Publikationen/Warnung/warntag-umfrage-2025_download.pdf" rel="noopener noreferrer">BBK: Ergebnisse der Umfrage zum Bundesweiten Warntag 2025</a></li>
<li><a href="https://dokumente.landtag.rlp.de/landtag/drucksachen/8222-18.pdf" rel="noopener noreferrer">Landtag Rheinland-Pfalz: Abschlussbericht der Enquete-Kommission 18/1, Drucksache 18/8222</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Maurer-Schema und Kölner Algorithmus: Wie viel Sanitätsdienst braucht eine Veranstaltung?</title>
      <link>https://leitstelle.live/blog/sanitaetsdienst-veranstaltung-bedarf-planen</link>
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      <pubDate>Fri, 30 Oct 2026 12:32:47 GMT</pubDate>
      <dc:creator>Jan Wulff</dc:creator>
      <category>Ratgeber</category>
      <description>Maurer-Schema und Kölner Algorithmus liefern schnell eine Zahl. Warum sie nur der Anfang der Planung ist und was die Beurteilung der konkreten Lage ergänzen muss.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn eine Hilfsorganisation den Sanitätsdienst einer Veranstaltung plant, steht am Anfang oft eine Rechnung. Besucherzahl eintragen, Art der Veranstaltung auswählen, Kräfte ablesen. Das ist nachvollziehbar und schafft eine gemeinsame Grundlage mit dem Veranstalter. Die Zahl, die dabei herauskommt, wirkt allerdings verlässlicher, als sie ist.</p>
<h2 id="was-das-maurer-schema-rechnet">Was das Maurer-Schema rechnet</h2>
<p>Das in den 1990er Jahren von Klaus Maurer entwickelte Punktesystem ist bis heute weit verbreitet. Es fasst fünf Risikofaktoren zusammen: die Besucherzahl, zulässig und tatsächlich erwartet, den Ort, also geschlossen oder Freigelände, die Gefahrenneigung nach Art der Veranstaltung, die Beteiligung prominenter Personen mit Sicherheitsstufe und polizeiliche Erkenntnisse etwa zur Gewaltbereitschaft. Aus dem Gesamtwert wird der Kräfteansatz in Tabellen abgelesen.</p>
<p>Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Verfahren ist einfach, nachweisbar und reproduzierbar. Eine Arbeit aus dem Forschungsprojekt EVA, veröffentlicht von der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes, nennt aber auch die Nachteile: Es sei „sehr starr“, die Einbindung eigener Erfahrung werde erschwert, und räumliche Gegebenheiten sowie die Ausdehnung einer Veranstaltung, etwa bei Umzügen, flössen nicht ein.</p>
<p>Bemerkenswert ist ein weiterer Hinweis derselben Arbeit: Maurer selbst habe schon früh eine umfassende Einsatzplanung gefordert, mit baulichen, betrieblichen und operativen Maßnahmen. Viele Anwender vernachlässigten das. Der Algorithmus war also nie als alleinige Antwort gedacht.</p>
<h2 id="der-koelner-algorithmus-setzt-anders-an">Der Kölner Algorithmus setzt anders an</h2>
<p>Der 2006 veröffentlichte Kölner Algorithmus geht von einer anderen Frage aus: Welches Schutzziel soll erreicht werden? In Köln ist das eine Zugriffszeit von höchstens fünf Minuten. Daraus folgt zuerst eine Raumplanung mit Wachbezirken, danach eine Stärkeplanung nach einem Häufigkeitsmodell. Es rechnet im Mittel mit zwei sanitätsdienstlichen Versorgungen je 1.000 Besucher in zehn Stunden. Dazu kommen Risikofaktoren wie Wetter und Massenphänomene.</p>
<p><img src="https://leitstelle.live/blog/media/vergleich-beider-verfahren-das-maurer-schema-geht-vom-risiko-5cdbb76f-1024.webp" srcset="https://leitstelle.live/blog/media/vergleich-beider-verfahren-das-maurer-schema-geht-vom-risiko-5cdbb76f-640.webp 640w, https://leitstelle.live/blog/media/vergleich-beider-verfahren-das-maurer-schema-geht-vom-risiko-5cdbb76f-1024.webp 1024w, https://leitstelle.live/blog/media/vergleich-beider-verfahren-das-maurer-schema-geht-vom-risiko-5cdbb76f-1600.webp 1600w" sizes="(max-width: 760px) 100vw, 760px" width="1024" height="1052" alt="Vergleich beider Verfahren: Das Maurer-Schema geht vom Risikowert zum Kräfteansatz, der Kölner Algorithmus vom Schutzziel über die Raumplanung zur Stärke. Beide brauchen die Beurteilung der konkreten Lage" loading="lazy" decoding="async"></p>
<p>Wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen können, zeigt das Beispiel aus der genannten Arbeit, ein Public Viewing an der Deutzer Werft in Köln während der Weltmeisterschaft 2006. Das Maurer-Schema ergab 4 KTW, 3 RTW, 2 Notärzte und 30 Helfer. Tatsächlich gab es 39 Hilfeleistungen im Sanitätsdienst und 8 Rettungsdiensteinsätze. Beide Verfahren lagen nach Einschätzung der Autoren zu hoch, Maurer deutlich höher als Köln.</p>
<p>Das ist ein Einzelfall und kein Beleg dafür, dass ein Verfahren grundsätzlich falsch rechnet. Eine unabhängige Studie, die das Maurer-Schema systematisch überprüft, haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Gerade deshalb sollte die Zahl nicht die Diskussion beenden, sondern sie eröffnen.</p>
<h2 id="was-keine-tabelle-weiss">Was keine Tabelle weiß</h2>
<p>Einige Fragen beantwortet kein Algorithmus, weil sie von der konkreten Veranstaltung abhängen. Aus unserer Sicht gehören mindestens diese in die Planung:</p>
<ul>
<li><strong>Gelände und Wege.</strong> Wie lange braucht ein Trupp durch die Menge zum Einsatzort? Wo kommt ein RTW überhaupt hin, und wo wird übergeben?</li>
<li><strong>Wetter.</strong> Hitze oder Unwetter verändern den Bedarf stärker als hundert Besucher mehr oder weniger.</li>
<li><strong>Publikum und Verlauf.</strong> Ein Familienfest am Nachmittag und dieselbe Besucherzahl um Mitternacht vor einer Bühne sind zwei verschiedene Lagen.</li>
<li><strong>Dauer.</strong> Eine Besetzung, die rechnerisch reicht, reicht über zwölf Stunden nur mit Ablösung.</li>
<li><strong>Umfeld.</strong> Wie weit ist die nächste Klinik, und wie stark ist der örtliche Rettungsdienst gerade belastet, wenn die Veranstaltung ihn zusätzlich beansprucht?</li>
</ul>
<p>Eine sinnvolle Arbeitsweise ist es deshalb, den Algorithmus sichtbar als Ausgangswert zu verwenden, jede Abweichung davon mit einem Satz zu begründen und beides festzuhalten. So lässt sich die Planung gegenüber Veranstalter und Behörde vertreten, und im nächsten Jahr gibt es etwas, woran man anknüpfen kann. Wer dann noch notiert, wie viele Versorgungen es tatsächlich gab, hat bald bessere Zahlen als jede Tabelle.</p>
<h2 id="wer-ist-eigentlich-verantwortlich">Wer ist eigentlich verantwortlich?</h2>
<p>Die Rechtslage ist weniger einheitlich, als viele annehmen. Die genannte Arbeit bezeichnete sie 2010 als „alles andere als eindeutig“: Großveranstaltungen seien in der Mehrzahl der Rettungsdienstgesetze nicht berücksichtigt und fielen unter das allgemeine Ordnungsrecht. Auch heute gibt es nach unserer Kenntnis keine bundesweit einheitliche Vorschrift zum Umfang des Sanitätsdienstes.</p>
<p>Für Versammlungsstätten regeln die Länder die Pflichten in eigenen Verordnungen, in Bayern zum Beispiel in § 38 der Versammlungsstättenverordnung: Der Betreiber ist für die Sicherheit der Veranstaltung verantwortlich und stellt die Zusammenarbeit der Sanitätswache mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sicher. Ein Merkblatt des Landessportverbands für das Saarland hält für Sportveranstaltungen fest, die Haftung liege beim Veranstalter und ein Vertrag mit der Hilfsorganisation sei nötig.</p>
<p>Für die Praxis heißt das: Klären Sie früh mit der zuständigen Ordnungsbehörde, welche Vorgaben vor Ort gelten, und lassen Sie sich die vereinbarte Stärke schriftlich bestätigen. Das schützt auch Ihre Organisation, wenn der Veranstalter aus Kostengründen weniger möchte, als Sie für vertretbar halten.</p>
<h2 id="und-was-macht-die-software">Und was macht die Software?</h2>
<p><a href="https://leitstelle.live/sanitaetsdienst">leitstelle.live</a> berechnet keinen Kräftebedarf, weder nach Maurer noch nach einem anderen Verfahren. Diese Beurteilung bleibt bei Ihnen. Unser Beitrag liegt in dem, was danach kommt: Kräfte und Abschnitte im Einsatz führen, Sanitätsstationen mit Plätzen und Belegung im Blick behalten und Patienten vom ersten Kontakt bis zur Übergabe dokumentieren. Am Ende steht damit fest, wie viele Versorgungen es wirklich gab, und das ist die beste Grundlage für die Planung im nächsten Jahr.</p>
<p><img src="https://leitstelle.live/blog/media/der-weg-eines-patienten-sichtung-patientenakte-dann-entlasse-fd4bf074-1024.webp" srcset="https://leitstelle.live/blog/media/der-weg-eines-patienten-sichtung-patientenakte-dann-entlasse-fd4bf074-640.webp 640w, https://leitstelle.live/blog/media/der-weg-eines-patienten-sichtung-patientenakte-dann-entlasse-fd4bf074-1024.webp 1024w, https://leitstelle.live/blog/media/der-weg-eines-patienten-sichtung-patientenakte-dann-entlasse-fd4bf074-1600.webp 1600w" sizes="(max-width: 760px) 100vw, 760px" width="1024" height="521" alt="Der Weg eines Patienten: Sichtung, Patientenakte, dann Entlassen oder Transport anfordern, mit den Transportphasen bis zur Übergabe" loading="lazy" decoding="async"></p>
<h2 id="quellen">Quellen</h2>
<ul>
<li><a href="https://www.vfdb.de/media/doc/sonstiges/forschung/eva/vergleich_maurer_koelner_algorithmus.pdf" rel="noopener noreferrer">Knopp, P.; Schmidt, J.: Der Kölner Algorithmus im Vergleich zum Maurer-Schema, vfdb, Forschungsprojekt EVA, 2010</a></li>
<li><a href="https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVStaettV-38" rel="noopener noreferrer">Bayerische Versammlungsstättenverordnung, § 38</a></li>
<li><a href="https://www.lsvs.de/fileadmin/user_upload/Service/Service_fuer_Vereine/Downloads/Sanitaetsdienst/Information_Sanitaetsdienst_bei_Sportveranstaltungen_-_Was_muss_ein_Veranstalter_beachten.pdf" rel="noopener noreferrer">Landessportverband für das Saarland: Sanitätsdienst bei Sportveranstaltungen, 2026</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Führung im Ehrenamt: Wenn die eine Person fehlt, die alles weiß</title>
      <link>https://leitstelle.live/blog/ehrenamt-fuehrung-wissen-sichern</link>
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      <pubDate>Fri, 30 Oct 2026 12:32:46 GMT</pubDate>
      <dc:creator>Jan Wulff</dc:creator>
      <category>Praxis</category>
      <description>Viele Einheiten hängen an wenigen erfahrenen Köpfen. Einsatzfähig ist aber nur, wer auch ohne diese Person weiß, was zu tun ist.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In fast jeder Einheit gibt es sie: die Person, die seit zwanzig Jahren dabei ist, jeden Veranstalter persönlich kennt und weiß, welches Fahrzeug bei Kälte schlecht anspringt. Führung im Ehrenamt lebt von solchen Menschen. Sie ist aber auch von ihnen abhängig, und das fällt meist erst auf, wenn diese Person im Urlaub ist, umzieht oder nach einem langen Engagement aufhört.</p>
<h2 id="was-die-zahlen-sagen">Was die Zahlen sagen</h2>
<p>Der Deutsche Freiwilligensurvey 2024 liefert dazu zwei Beobachtungen. Die erste ist erfreulich: Während die Engagementquote insgesamt von 39,7 auf 36,7 Prozent gesunken ist, hat der Bereich Unfall- und Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehr, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz gegen den Trend leicht zugelegt, von 2,7 auf 3,1 Prozent der Bevölkerung. Engagierte wenden hier zudem besonders viele Wochenstunden auf.</p>
<p>Die zweite Beobachtung betrifft die Führung. Über alle Engagementbereiche hinweg hat etwa ein Viertel der Engagierten eine Leitungs- oder Vorstandsfunktion, und diese Personen sind im Schnitt 12,6 Jahre aktiv. Der Anteil der über 64-Jährigen unter den Leitenden ist seit 1999 von 11 auf 24 Prozent gestiegen. Der Bericht vermutet vorsichtig, dass dies auf Schwierigkeiten hindeuten könnte, Jüngere für Leitungsämter zu gewinnen.</p>
<p>Eigene Zahlen nur für Hilfsorganisationen enthält der Survey an dieser Stelle nicht. Die Richtung dürfte vielen Verantwortlichen trotzdem bekannt vorkommen: Das Wissen sammelt sich bei wenigen, und diese wenigen werden älter.</p>
<h2 id="fuehrungslehre-regelt-nicht-alles">Führungslehre regelt nicht alles</h2>
<p>Die FwDV 100 und die vergleichbaren Regelungen im Katastrophenschutz sorgen dafür, dass Führung grundsätzlich übertragbar ist. Der Führungsvorgang mit Lagefeststellung, Planung und Befehlsgebung ist überall derselbe, und genau deshalb kann eine fremde Führungskraft in eine laufende Lage einsteigen.</p>
<p>Was eine Dienstvorschrift nicht regelt, ist das örtliche Wissen. Und das ist in der Praxis oft das, was fehlt:</p>
<div class="table-wrap"><table>
<thead>
<tr>
<th>Art des Wissens</th>
<th>Beispiel</th>
<th>Wo es hingehört</th>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td>Kontakte</td>
<td>Wer beim Veranstalter nachts wirklich erreichbar ist</td>
<td>Kontaktliste des Einsatzes, nicht das private Smartphone</td>
</tr>
<tr>
<td>Örtlichkeit</td>
<td>Welche Zufahrt am Markttag gesperrt ist</td>
<td>Lageplan und Einsatzvorlage</td>
</tr>
<tr>
<td>Absprachen</td>
<td>Was mit dem Ordnungsamt vereinbart wurde</td>
<td>Schriftlich am Einsatz, nicht nur als E-Mail in einem Postfach</td>
</tr>
<tr>
<td>Technik</td>
<td>Wo der Ersatzakku liegt, wie das Funkkonzept aussieht</td>
<td>Checkliste, die beim Fahrzeug bleibt</td>
</tr>
<tr>
<td>Erfahrung</td>
<td>Dass ab 22 Uhr am Festzelt die Einsätze zunehmen</td>
<td>Einsatzbericht mit zwei Sätzen zu dem, was auffiel</td>
</tr>
<tr>
<td>Zugänge</td>
<td>Wer Personal anlegen und Rechte vergeben darf</td>
<td>Mindestens zwei benannte Personen</td>
</tr>
</tbody>
</table></div>
<p>Die letzte Zeile wird am häufigsten unterschätzt. Wenn die einzige Person mit Administratorrechten ausfällt, steht eine Organisation vor einem Problem, das mit Einsatzführung nichts zu tun hat und trotzdem den nächsten Dienst gefährden kann.</p>
<h2 id="vier-schritte-die-wenig-kosten">Vier Schritte, die wenig kosten</h2>
<p><img src="https://leitstelle.live/blog/media/vier-schritte-vom-kopfwissen-zur-einsatzfaehigkeit-festhalte-16891a1d-1024.webp" srcset="https://leitstelle.live/blog/media/vier-schritte-vom-kopfwissen-zur-einsatzfaehigkeit-festhalte-16891a1d-640.webp 640w, https://leitstelle.live/blog/media/vier-schritte-vom-kopfwissen-zur-einsatzfaehigkeit-festhalte-16891a1d-1024.webp 1024w, https://leitstelle.live/blog/media/vier-schritte-vom-kopfwissen-zur-einsatzfaehigkeit-festhalte-16891a1d-1600.webp 1600w" sizes="(max-width: 760px) 100vw, 760px" width="1024" height="795" alt="Vier Schritte vom Kopfwissen zur Einsatzfähigkeit: festhalten, in Vorlagen übernehmen, mit anderen üben, Vertretung benennen" loading="lazy" decoding="async"></p>
<p><strong>Festhalten, solange es frisch ist.</strong> Niemand schreibt freiwillig ein Handbuch. Zwei Sätze direkt nach dem Dienst sind realistisch: Was war anders als erwartet, was sollte beim nächsten Mal jemand wissen?</p>
<p><strong>In Vorlagen übernehmen.</strong> Der Sanitätsdienst auf dem Stadtfest kommt jedes Jahr wieder. Was im Vorjahr gelernt wurde, gehört in die Planung des nächsten Jahres, und zwar so, dass es nicht von der Erinnerung einer Einzelperson abhängt.</p>
<p><strong>Mit anderen üben.</strong> Festgehaltenes Wissen ist erst nutzbar, wenn es jemand anders schon einmal angewendet hat. Lassen Sie die nächste Führungskraft einen ruhigen Dienst führen, und setzen Sie die erfahrene Kraft daneben. So wird aus einer Unterlage Können.</p>
<p><strong>Vertretung benennen.</strong> Für jede Aufgabe, die heute an einer einzelnen Person hängt, sollte eine zweite benannt sein. Wer wenig Zeit hat, fängt mit den Zugängen und den Kontakten zum Veranstalter an.</p>
<p>Ein einfacher Test zeigt, wo Sie stehen: Stellen Sie sich vor, Ihre erfahrenste Führungskraft ist an einem Einsatzwochenende nicht erreichbar. Gehen Sie den nächsten geplanten Dienst gedanklich durch und schreiben Sie auf, an welcher Stelle jemand sie anrufen würde. Diese Liste ist Ihr Arbeitsauftrag.</p>
<h2 id="was-software-dazu-beitragen-kann">Was Software dazu beitragen kann</h2>
<p>Software ersetzt keine Erfahrung, und kein System weiß von allein, warum die Zufahrt am Markttag gesperrt ist. Sie kann aber verhindern, dass das Aufgeschriebene in persönlichen Ordnern liegt.</p>
<p>In <a href="https://leitstelle.live/leitstelle">leitstelle.live</a> gibt es dafür versionierte Einsatzvorlagen für wiederkehrende Dienste, das Kopieren früherer Einsätze, Rollen und Rechte und ab dem Paket Basis einen Einsatzbericht, der die Einsatzstunden aus dem Einsatztagebuch übernimmt. So ist die Planung des letzten Jahres der Ausgangspunkt für das nächste, auch wenn eine andere Person sie übernimmt.</p>
<p><img src="https://leitstelle.live/blog/media/liste-der-einsatzvorlagen-im-portal-darunter-ein-sanitaetswa-9580e873-1024.webp" srcset="https://leitstelle.live/blog/media/liste-der-einsatzvorlagen-im-portal-darunter-ein-sanitaetswa-9580e873-640.webp 640w, https://leitstelle.live/blog/media/liste-der-einsatzvorlagen-im-portal-darunter-ein-sanitaetswa-9580e873-1024.webp 1024w, https://leitstelle.live/blog/media/liste-der-einsatzvorlagen-im-portal-darunter-ein-sanitaetswa-9580e873-1600.webp 1600w" sizes="(max-width: 760px) 100vw, 760px" width="1024" height="326" alt="Liste der Einsatzvorlagen im Portal, darunter ein Sanitätswachdienst mit Zugweg und ein Stadtfest, jeweils mit Versionsnummer" loading="lazy" decoding="async"></p>
<p>Die Erfahrung, die eine langjährige Führungskraft mitbringt, lässt sich so nicht vollständig übertragen. Darum geht es auch nicht. Es reicht, wenn ihr Fehlen niemanden mehr daran hindert, den nächsten Dienst sauber zu führen.</p>
<h2 id="quellen">Quellen</h2>
<ul>
<li><a href="https://www.bundesregierung.de/resource/blob/2348674/2451626/16111cfdf152d3ed813de8a7da700f13/hauptbericht-freiwilliges-engagement-in-deutschland-data.pdf" rel="noopener noreferrer">Wolfert u. a.: Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2024, Hauptbericht</a></li>
<li><a href="https://www.lfs.sachsen.de/download/fwdv100.pdf" rel="noopener noreferrer">FwDV 100: Führung und Leitung im Einsatz, Ausgabe März 1999</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
    </item>
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