Rechner

Sanitätsdienst berechnen: Maurer-Schema und Kölner Algorithmus

Dieser kostenlose Rechner richtet sich an Planende in Hilfsorganisationen und Ordnungsämtern. Er liefert einen nachvollziehbaren Ausgangswert für den Sanitätsdienst einer Veranstaltung, mit jedem Rechenschritt und den zugrunde liegenden Tabellen.

Maurer-Schema

Das von Klaus Maurer in den 1990er Jahren entwickelte Punktesystem bewertet das Risiko einer Veranstaltung über Besucherzahl, Ort, Art der Veranstaltung, prominente Personen und polizeiliche Erkenntnisse. Aus dem Gesamtwert wird der Kräfteansatz abgelesen.

Besucherzahl ermitteln

Gesamtrisiko 7,6 Punkte

  • 5 Helfer
  • 1 KTW
  • 1 RTW
  • 0 Notärzte

Einsatzleitung: keine stabsmäßige Einsatzleitung.

Stufe 6,1 bis 13 Punkte, die nächste beginnt bei 13,1. Liegt der Wert unmittelbar an einer Grenze, empfiehlt die hessische Fassung den höheren Ansatz.

Rechenweg

  1. Zulässige Besucher: 7 Punkte
  2. Erwartete Besucher, 1 Punkt je volle 500: 12 Punkte
  3. Summe 19 × Faktor 0,4 = 7,6
  4. Prominente 0 + Gewaltbereitschaft 0
  5. Gesamtrisiko: 7,6 Punkte

Die Helferzahl gilt nur für die direkte notfallmedizinische Versorgung. Fahrzeugbesatzungen, Personal der Unfallhilfsstellen, Fernmelder, Führungskräfte und Helfer für die eigene Versorgung kommen hinzu.

Tabellen zum Maurer-Schema

Punkte für die zulässige Besucherzahl

BesucherPunkte
bis 5001
bis 1.0002
bis 1.5003
bis 3.0004
bis 6.0005
bis 10.0006
bis 20.0007
je weitere 10.000+ 1

Quellen: Hessen 8.1.1, Leipzig 8.1. Freifläche: 4 Personen je m² zulässig, 2 je m² erwartet.

Bewertungsfaktor nach Art der Veranstaltung

ArtFaktor
Allgemeine Sportveranstaltung0,3
Ausstellung0,3
Basar0,3
Demonstration0,8
Feuerwerk0,4
Flohmarkt0,3
Flugveranstaltung0,9
Karnevalsveranstaltung0,7
Karnevalsumzug0,7
Kombi-Veranstaltung (Sport, Musik, Show)0,35
Konzert0,2
Kundgebung0,5
Langlauf0,3
Martinsumzug0,3
Messe0,3
Motorsportveranstaltung0,8
Musikveranstaltung0,5
Oper/Operette0,2
Radrennen0,3
Reitsportveranstaltung0,1
Rockkonzert1
Rockkonzert mit Boygroup1,2
Schauspiel/Theater0,2
Schützenfest0,5
Show0,2
Stadtteilfest0,4
Straßenfest0,4
Tanzsportveranstaltung0,3
Volksfest0,4
Weihnachtsmarkt0,3

Quelle: Leipzig 8.2. In Hessen 8.2 fehlt „Rockkonzert mit Boygroup“, die übrigen Werte sind gleich.

Kräfte nach Gesamtrisiko

PunkteHelferKTWRTWNotärzteGRTWUHSEinsatzleitung
0,1 bis 2––––––kein Stab
2,1 bis 43–––––kein Stab
4,1 bis 651––––kein Stab
6,1 bis 13511–––kein Stab
13,1 bis 13,55211––kein Stab
13,6 bis 2210211––kein Stab
22,1 bis 2520211––kein Stab
25,1 bis 25,520311––kein Stab
25,6 bis 3020321––kein Stab
30,1 bis 4020322––reduzierter Stab
40,1 bis 45,530422––reduzierter Stab
45,6 bis 5030432––reduzierter Stab
50,1 bis 6030432–UHS 1reduzierter Stab
60,1 bis 60,540533–UHS 1Stab
60,6 bis 75,540543–UHS 1Stab
75,6 bis 8040553–UHS 1Stab
80,1 bis 9080653–UHS 2Stab
90,1 bis 100806541UHS 2Stab
100,1 bis 1101007641UHS 2Stab
110,1 bis 1201208641UHS 3Stab
120,1 bis 14016010751UHS 3Stab

Quellen: Leipzig 8.5.1 bis 8.5.7 und die Gesamttabelle ZRF Allgäu 5.3.4, die sich decken. Bis 2 Punkte nennt die Tabelle keinen Sanitätswachdienst, gegebenenfalls 2 Helfer.

Besetzung der Unfallhilfsstellen

StufeBehandlungsplätzePflegeplätzeNotärzteRettungsassistentenRettungssanitäterRettungshelfer
UHS 15101155
UHS 252011510
UHS 382522812

Quelle: Leipzig 8.5.7. Die Ausstattung ist beispielhaft zu verstehen und variiert örtlich (ZRF Allgäu 5.3.5).

Veröffentlichte Rechenbeispiele

Mit diesen Beispielen aus den Quellen wird der Rechner geprüft. Sie können jedes Beispiel in den Rechner übernehmen.

BeispielQuellePunkte laut QuelleRechner
Theater, ausverkauftes Schauspielhaus, 1.250 Plätze Hessen 2001, Anlage 3, Beispiel 11,61,6
Rockkonzert, Messehalle, 10.000 Plätze, 8.000 erwartet, eine prominente Person Hessen 2001, Anlage 3, Beispiel 23838
Stadtteilfest, 3.000 m² Fläche, daraus 12.000 zulässig und 6.000 erwartet Hessen 2001, Anlage 3, Beispiel 37,67,6
Rockkonzert open air, Stadion, 60.000 Plätze, 50.000 Karten, rivalisierende Gruppen Hessen 2001, Anlage 3, Beispiel 4121121
Wie zuvor, als Sport- und Musikshow ohne rivalisierende Gruppen Die Quelle rechnet mit 110 statt der in Beispiel 4 ermittelten 111 Punkte. Der Rechner ergibt 38,85; die Stufe bleibt gleich.Hessen 2001, Anlage 3, Beispiel 538,538,85
Theater, ausverkauftes Stadttheater, 2.500 Plätze ZRF Allgäu 2011, Abschnitt 5.4, Beispiel 12,62,6
Rockkonzert, Halle, 10.000 Plätze und Vorverkauf, eine bekannte Persönlichkeit ZRF Allgäu 2011, Abschnitt 5.4, Beispiel 24242
Fest eines Dorfvereins, freie Wiese, 2.000 zulässig, 1.500 erwartet Die Quelle schlägt 2 Punkte für Erkenntnisse aus der Vergangenheit zu. Das ist keine Regel des Schemas, der Rechner ergibt ohne Zuschlag 3,5.ZRF Allgäu 2011, Abschnitt 5.4, Beispiel 35,53,5
Großbildübertragung Deutzer Werft, Köln, 2006, 40.000 Besucher, Gewaltbereitschaft vfdb 2010, Planungsbeispiel mit dem Algorithmus nach Klaus Maurer54,554,5

Grenzen der Verfahren

Eine Zahl aus einer Tabelle beendet die Planung nicht. Das steht auch in den Quellen selbst.

  • Das Maurer-Schema ist nachweisbar und reproduzierbar, aber starr: Eigene Erfahrung lässt sich schwer einbinden, die räumliche Ausdehnung etwa bei Umzügen und Gebäudeabschnitte fließen nicht ein (vfdb 2010).
  • Am Beispiel Deutzer Werft führten beide Verfahren zu einem zu hohen Kräfteansatz, das Maurer-Schema zu einem wesentlich höheren. Das ist ein Einzelfall und kein Maßstab für jede Veranstaltung (vfdb 2010).
  • Die hessische Fassung versteht ihre Werte als Empfehlung, die an die örtlichen Verhältnisse anzupassen ist: Bei der begrenzten Zahl der Parameter seien Unschärfen nicht vermeidbar (Hessen 2001, Abschnitt 9.1).
  • Rechtlich bindend sind nur die Auflagen der Ordnungsbehörde. Großveranstaltungen fallen meist unter das allgemeine Ordnungsrecht, die Vorplanung erfolgt in der jeweiligen Gemeinde. Klären Sie die örtlichen Vorgaben früh (Hessen 2001, vfdb 2010).
  • Der Schätzfaktor des Kölner Algorithmus stammt aus Veranstaltungen ab 100.000 Teilnehmern und enthält einen Sicherheitszuschlag; auf kleinere Veranstaltungen lässt er sich nur mit Vorsicht übertragen (vfdb 2007, vfdb 2010).
  • Der Kölner Algorithmus ließ sich in Hamburg nicht ohne Anpassungen übernehmen, die dortige Arbeit empfiehlt etwa eine zusätzliche Betrachtung von Paralleleinsätzen in Wachbezirken mit erhöhtem Risiko (HAW Hamburg 2014).
Abweichungen zwischen den Quellen

Das Maurer-Schema ist in vielen Fassungen im Umlauf. Dieser Rechner verwendet die Werte, die in den oben genannten Quellen übereinstimmen und das Beispiel der vfdb-Arbeit treffen. Nutzt Ihre Behörde eine andere Fassung, gilt diese.

  • Hessen 2001 weist die Kräfte in Modulen aus, die in einzelnen Stufen andere Helferzahlen ergeben als Leipzig und ZRF Allgäu, deren Tabelle der Rechner verwendet.
  • Einige Formulare, etwa aus dem DRK-Landesverband Westfalen-Lippe, vergeben ab 10.000 Besuchern 10 statt 6 Punkte und ab 20.000 Besuchern 11 statt 7 Punkte.
  • Die Deckelung bei 30 Punkten für Prominente nennen Leipzig und ZRF Allgäu, nicht aber Hessen 2001.
  • In den Planungstabellen von 2007 steht bei der Notwendigkeit „Zeile 1.2.2 größer als Zeile 1.2.3“, in der Arbeit von 2010 „kleiner“. Der Rechner folgt der Fassung von 2010, die zum Wortlaut „mehr Zusatzeinsätze als möglich“ passt.

Quellen

Alle Formeln, Faktoren und Tabellen stammen aus diesen frei zugänglichen Dokumenten.

Hinweis: Dieser Rechner ist ein kostenloses Hilfsmittel auf unserer Website, keine amtliche Berechnung und kein Bestandteil der Software. Eine Gewähr für die Eignung im Einzelfall übernehmen wir nicht. Einen Fehler gefunden? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular.